Das “kill the mage first”-Dilemma in DSA
Der heutige Post entstand in einem Gespräch mit meiner Freundin auf dem Markt, als wir uns über DSA-Kämpfe unterhielten. Denn momentan spiele ich mit zwei Spielern (und einem guten SL) in einer Runde, die mir sehr gefällt, wobei die anderen beiden Mitspieler Kampfcharaktere spielen, die nach eigener Aussage im Kampf durchaus sterben dürften. Bei den meisten DSA-Spielern, die ich kenne (mir auch) ist das anders: ich will nicht durch reines Würfelpech meinen Charakter verlieren. Ich mag diesen Charakter sehr. Leider spiele ich das Zauberviech der Runde – zwar ohne Offensivzauber und so, aber das kann ja kein Gegner wissen…
Und DSA hat dasselbe Problem wie viele andere Fantasysysteme: Magier sind unberechenbar mächtig und können Kämpfe sehr gut beeinflussen, mit den richtigen Zaubern gar den ganzen Kampf allein gewinnen. Intelligente Gegner würden also den Magier zuerst umhauen, damit nichts unvorhergesehenes passiert. Direkt im ersten Kampf sterben ist natürlich grade für Charaktere die nicht für den Kampf gebaut wurden sehr unschön. Was also tun?
Eine süße Stimme hat mir geflüstert, dass man Magier nicht gleich umbringen muss. DSA trumpft auf mit zahlreichen Abzügen: wenn ein Magier von zwei Treffern mit je 7 oder 8 TP getroffen wird, ist er meist schon kampfunfähig: er hat in der Regel zwei Wunden und dürfte auch bereits mehr als die Hälfte seiner LE verloren haben: das gibt erstmal pauschal +9 auf jede Zauberprobe*! Grade wenn es um MR und übrige ZfP geht, kann das lebensrettend für die glorreichen Räuber sein. Dazu kann man den Magier ablenken oder mit einem gezielten Angriff in die Arme der Bewusstlosigkeit sinken lassen (evtl. gar mit einer Schlafgift-Waffe, wenn man die ohnehin schon dabei hatte) – man muss zumindest nicht so lange auf ihn einprügeln, bis er nur noch eine blutige Masse ist (das dauert auch viel zu lange, während die Gruppenkrieger fröhlich dasselbe bei den eigenen Kameraden machen).
Ein Spielleiter sollte immer bedenken: Magier haben LeP und das ist keine unantastbare Ressource: wenn sie 24-27 LeP haben, kann man ihnen davon 22 auf einen Schlag entwenden (glücklicher Treffer?) und so ziemlich gut außer Gefecht setzen, ohne sie zu töten (und die gebrochenen Knochen heilen durch den Balsam und “Heilkunde Wunden” danach ja ziemlich schnell – wo in der normalen Welt ein gebrochenes Knie zum Beispiel 6 Wochen zum Heilen braucht, hat man in Aventurien nach vier Tagen schon wieder fast die volle Bewegungsfähigkeit). Wenn der Magier sich natürlich in den Kampf stürzt und zahlreiche Treffer abbekommt und der letzte bringt ihn auf -10 LeP, dann hat er im Grunde selbst Schuld gehabt, wenn es noch andere Möglichkeiten gegeben hätte. Genau wie der Krieger. Zumindest in einer solchen Runde wie meiner.
*) +3 durch “unter halber LE” (WdS 57), je +3 pro Wunde (hilft mir wer, das muss doch irgendwo stehen?)

August 8th, 2009 at 6:46 pm
Gibt es ja im Tanelorn einen interessanten Thread zu (Können Charaktere sterben?). Das Mischen beider Philosophien (JA – NEIN) scheint mir allerdings recht problematisch!
August 8th, 2009 at 8:15 pm
Was Du hier propagierst ist doch im Grunde genau “kill the mage first”. Als vernunftbegabter profaner Räuber schalte ich erst einmal den Magier aus (ob ich ihn nun umbringe oder einfach nur so schwäche, dass er keine Gefahr mehr darstellt ist unerheblich) und kümmere mich dann um den Rest.
Ich finde es insgesamt problematisch hier immer die Vernunft zu bemühen. Vernünftige Räuber greifen keine Magier an, gerade weil die Zaubern können. Und wenn doch werden sie auch sicher gehen, dass der wirklich tot ist und nciht nur mit 3 LE mal eine Auszeit nimmt. Ich habe festgestellt, dass es zu einer gewissen Genrekonvention bei DSA geworden ist, zu Boden gegangene Gegner zu ignorieren und für tot zu halten. Die Helden murksen keine Bewusstlosen ab und umgekehrt werden sie auch nicht abgemurkst. Mit Realismus hat beides nicht zu tun, nur mit dem eher “heldenhaften” Spiel.
Übrigens stehen die Abzüge auch im Meisterschirm.
August 9th, 2009 at 8:55 am
Deswegen ja Dilemma: “Und wenn doch werden sie auch sicher gehen, dass der wirklich tot ist” – als Nichtkämpfer extrem frustrierend, man ist ja quasi wehrlos (wenn die anderen einen nicht schützen).
Ich propagiere, den Magier ruhig auszuschalten wenn der SL unbedingt will, aber deswegen nicht gleich den Charakter umzubringen. Für die meisten Magierspieler ist das nämlich sehr frustrierend.
Und mit 3 LE nimmt man sich nicht “mal ne Auszeit”. Mit 3 LE ist man absolut kampf- und zauberunfähig. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass man durch mehrere Wunden (=Knochenbrüche, blutende Wunden) auch ziemlich verkrüppelt ist.
August 9th, 2009 at 11:04 pm
Ich denke eh, dass umbringen in einem Kampf viel eifnacher klingt als es ist.
In Computerspielen mag es leicht sein, den am Boden liegenden noch schnell totzuschlagen, und mit einer Schusswaffe sollte man (wenn man das Gunsmith Cats Anime gesehen hat) eh immer reflexartig zweimal schießen, selbst wenn der erste Schuss eigentlich immer trifft, aber in einem Schwertkampf sieht das anders aus.
Wenn ich jemanden erwische und er zu Boden geht, dann trete ich vielleicht nochmal kräftig nach, damit er auch liegen bleibt, aber danach wende ich mich sofort seinem Kumpel zu, damit der mich nicht mal schnell einen Kopf kürzer macht.
Anders gesagt: Ein realistisch denkender Räuber (“Ich will überleben!”) wird einen bewusstlosen höchstens dann versuchen zu töten, wenn auch alle dessen Kumpel am Boden liegen.
Außerdem würde ich als Standardbandit um Magier einen Bogen machen. Um den soll sich der Bogenschütze kümmern, denn wer weiß, was der Magier mit mir anstellt, wenn er mir in die Augen schaut oder mich berührt. Ein paar Gerüchte über den Höllenpein können Wunder wirken (und den Magier zur Zielscheibe für Bogenschützen machen, aber wozu gibt es Schutzzauber? Natürlich damit der Magier dann keine ASP mehr für Kampfzauber hat
).
August 10th, 2009 at 7:53 am
Bisher habe ich es selten erlebt, dass ein Spielleiter einen Helden bei DSA durch blößes Würfelglück hat sterben lassen.
Eigentlich tut man das ja nicht, es sei den der Charakter stellt sich selten dämlich an.
Ein Magier, der in einer Kampfsituation, wie du es beschrieben hast, jedes Mal von den vorsichtigen Gegnern als erstes bewusstlos geschickt wird, hat natürlich für den Rest des Kampfes Sendepause.
Ich spiele selbst lieber Charaktere, die nicht auf Kampf ausgelegt sind und kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es enorm langweilig sein kann, während des gesamten Kampfes einfach nur zu warten.
August 10th, 2009 at 6:10 pm
Helden können immer Sterben, nicht nur beim Kampf. Ein Kämpfer hat zB. im Hochgebirge eine geringere Überlebenschange … Kettenrüstung schütz bei einem Sturz aus 50m auch nicht wirklich.
Oft werden Entscheidungen (eigentlich tötlich) getroffen, weil der Spieler ein anderes Bild im Kopf hat als der Meister.
Darum sage ich: “Durch Würfelpech/Dummheit Helden nie sterben lassen.”
Egal ob beim Kampf, Klettern oder Zauberpatzer. Was anderes ist es wenn der Meister sagt, das die Aktion tötlich enden kann.
Grüße
Binabick
August 11th, 2009 at 8:00 am
Dass es tödlich wird ist doch in dem Moment klar, indem man als Held auszieht um die Welt uz retten oder? Und das ein Kampf oder klettern im Gebirge tödlich sein kann lehrt nicht nur das Regelwerk sondern auch die Realität und die Erfahrung als Spieler. Warum also zimperlich sein? Man muss ich halt gut vorbereiten und wissen mit wem man sich anlegt. Und wenn die Krieger sich vernünftig schützend vor eine nstellen wird man als Magier sicher auch etwas länger leben und dafür sind Krieger nunmal da
November 23rd, 2009 at 1:17 pm
Das gleiche Problem habe ich als Magierspieler in unserer 7G Gruppe auch :=
ständig wird man als erstes angegriffen und so Phänomene wie Abfangen, Formation, etc (also die übliche Aufgabe des “Tanks”) wird meist überflüssig oder unmöglich…
Was kann man also dagegen tun:
Meiner Meinung nach dürfte Straßenräuber Alrik nicht sehr viel von Magie und dem höheren Gedöns wissen… Er wird wohl seine Gegner nach dem Aussehen beurteilen. Zuerst wäre da ja der Magier: eigentlich unscheinbar, trägt er doch Stoffkleidung und vllt einen komischen Hut. Er sollte erstmal weniger beachtung bekommen im GEgensatz zum gepanzerten Blechbüxen Ungetum von Ritter Hagen der neben ihm steht. DIeser dürfte als deutlich gefährlicher eingestuft werden…
lg Salman (vinsalts: Mordai)
Januar 24th, 2010 at 9:47 am
Zufällig hieraus gestossen und wenn auch alt, dennoch einen Kommentar:
Einfache Räuber greifen keine Magier an. Punkt. Der ganze Sinn hinter der Kleiderordnung im Codex Albyricus ist es, dass ein Magier von “Normalen” schon von weitem erkennbar ist. Auch einfache Räuber erkennen einen Magier. Was sie nicht erkennen ist, ob es sich dabei um einen Kusliker Antimagier mit nur noch 2 AsP in der Tasche oder um einen frischen Kampf- oder Schwarzmagier handelt.
Ergo lässt ein einfacher Räuber, bei dem der Selbsterhaltungstrieb noch funktioniert die Finger von einem Magier und seinen waffenstarrenden Begleitern, wenn er und seine Bande für die nächste Gruppe von harmlosen Reisenden nur ein Stündchen länger auf der Lauer liegen muss.
Man merkt vielleicht, dass ich Räuber als DSA-Standardgegner absolut nicht abkann, weil es in den meisten Fällen absolut keinen Sinn ergibt.