DSA3 – ein schlechtes Spiel?

Dieser kleine Text hier ist denjenigen gewidmet, die immer und überall dahergehen und DSA3 gegenüber DSA4 als „Schrott“ erklären! Ja genau ihr Leute, die ihr euch freut, dass DSA4 so viele neue Möglichkeiten hat. Das mann „endlich“ auch „mal“ „Was anderes spielen kann“ und so. Ich erklär euch jetzt mal warum und wie ich meine, dass DSA3 insgesamt genauso viel Spaß bringen kann wie DSA4 vom System her, dafür sogar weniger Verwaltungsaufwand benötigt. Let’s go! 😉

ganz unten findet ihr auch mal ein aktuelles Fazit nach einigen Jahren!

DSA3 ist doof, Charaktere auswürfeln macht keinen Spaß
Das ist schonmal Geschmackssache. Man muss ja nicht immer das erstbeste Ergebnis seiner Würfe nehmen. Ich komme hier nicht mit dem Argument „nimms doch einfach und entwickle deinen Helden auf diese Basis“ weil man möchte ja am Anfang einen maßgeschneiderten Charakter haben wenn sich mal mit DSA4 vergleicht. Man kann mit zwei Handgriffen arbeiten:
1.) Punkte umverteilen -> bietet schon das System an. Man erhöht schlechte Eigenschaften und dafür auch gute.
2.) Eigenes System schmieden -> man kann auch einfach sagen „pack 85 Punkte auf die guten Eigenschaften und 31 Punkte auf die schlechten“ ein Notbehelf, da dies keine GP sind die mit dem ganzen Char verwoben sind aber dennoch eine Alternative.

DSA3-Helden sind ab ner bestimmten Stufe alle gleich…
Tja das stimmt nur für „reinoptimierte Gruppen“ wo jeder Klettern kann. Ein schönes Talent, aber denken wir doch mal weiter – was hat es mit diesen „Standardtalenten“ denn so auf sich? Wenn man ein Abenteurer ist, so ist man das meist weniger in Studierstuben und Tempeln, man erschlägt den Ork anstatt zu beraten wie man den Stadtwall dagegen ausbessert. Ein Abenteurerleben trimmt einen Menschen und für sowas wird eben demonstriert, indem Helden, die viel Klettern, Schwimmen, ständig Fährten suchen etc. diese Talente auch steigern. Der Magier mit Wildnisleben 10? Das ist 1.) Der Effekt das er wohl lange in der Wildnis war und 2.) hat er dafür auch 14 Steigerungen geopfert, von denen evtl. nicht mal alle gelungen sind. Der Zwerg der schwimmen kann? Bei ihm ist es genauso – er stellt sich auf die Gegebenheiten ein anstatt die ganze zeit auf seinem Archetypus zu beruhen.
Und gegen dieses Thema im allgemeinen: nein, in meinen Gruppen hat bisher kaum einer etwas gesteigert, dass er nicht angewandt/gebraucht hat. Es gab auch Magier der 10. Stufe mit Wildnisleben -4! Und Jäger mit Magiekunde 0!

DSA3 hatte nur so wenig Archetypen
Zum Glück kannst du jetzt Gelehrte spielen. Vorher war das aber auch möglich: hättest du das Talentprofil des Magiers genommen, keine Magie genommen und den Magiekundewert mit seinem Haupttalent getauscht… wär das nen Gelehrter. Oder aber Hure, Lustknabe und Zuckerbäcker. Beim Streuner einige Talente umzuverteilen (Gassenwissen gegen Betören tauschen…) oder den Bürger mit dem Berufs-Handwerkstalent „Zuckerbäcker“ ausstatten… Dynamik war da schon drin und DSA3 stand Charakterkonzepten wenig im Weg.

DSA3-Helden hoher Stufen sind alles Übergötter
Na klar sind sie das. Hey der Krieger der 10. Stufe könnte Theoretisch Zweihänder 15 und Schwerter 18 haben! Damit wäre er ein Profi! SOWAS! Und dann könnte er noch über 84 LE verfügen. Okay, Durchschnitt wären so 62 LE aber das ist ja schon fast untötbar! Jedenfalls mit normalen Orks.
Aber mal ganz ehrlich: Du willst nen Helden mit 5000 AP noch mit Orks schrecken? Ich denke da brauchst du schon etwas mehr. Laut DSA4 sind Helden mit über 5000 AP dazu in der Lage das komplette Mittelreich zu retten! Warum sollten DSA3 Helden das nicht sein? Und 84 LE heißt nicht, dass es keine Gefahren mehr für den Helden geben kann. Einige Kämpfe, Pfeile aus dem Hinterhalt, Gift, all das bringt ihn zwar nicht mehr so schnell um, aber es kann ihn durchaus umbringen. Außerdem spüren Spieler schon Gefahr, wenn man ihnen 20 LP abnimmt. Wenn dann nochmal 20 kommen wirds mulmig. Bei DSA4 hat man nur den Zusatzeffekt: ich hab die Helden verwundet, jetzt können sie fast nichts mehr. Bei DSA3 können sie eben noch was. Es ist ein Heldenspiel.

Die Regeneration war mies
Kann so nicht sein, bei ner gelungenen HK:Wunden Probe bekam man bei DSA3 die vollen TaP* zurück und nicht wie bei DSA4 am ersten Tag TaP*/2 und dann immer TaP*/3. Außerdem konnte man die astrale Meditation großzügiger einsetzen, zumal wenn man noch einen trank dabei hatte. So konnte man dann und wann tatsächlich über 60 ASP in zwei Nächten regenerieren.

Kämpfe waren wenig abwechslungsreich
Natürlich, das System hat dich auch nicht ständig daran erinnert was du kannst aber Finten, Wuchtschläge, Ausfälle, Entwaffnen, Waffe zerbrechen, Umreißen, Meisterparade… all das ist keine Erfindung von DSA4 es ging auch mit DSA3. Nur INI gabs noch nicht. Gut die AT/PA Werte waren nicht so schnell so hoch dass man nur noch mit diesen Manövern um sich warf aber mit ner Finte oder Meisterparade konnte man schon gut was vorbereiten!

Auf hohen Stufen lernten Zauberer nie was dazu…
Natürlich taten sie das. Es gab Bücher aus denen sie lernen konnten oder die Lehrmeistermethode. Damit konnten sie Steigerungsversuche „vorschussmäßig von der nächsten Stufe“ bekommen. So konnten Zauberer, die auf Stufe 16 den Infinitum entdeckten, diesen mit Hilfe eines Lehrmeisters durchaus mehr als einmal pro Stufe steigern – und pro zwei Steigerungsversuche die sie so verbrauchten wurde einer von der nächsten Stufe entfernt. Wenn man es damit übertrieb, blieben am Ende manchmal nicht genug Versuche übrig um noch eine Große Meditation zu machen (aber über 80 Steigerungen pro Stufe sind schon ÜBEL)! Diese Regelung galt übrigens nicht nur für Magier sondern fairerweise auch für alle anderen Zauberkundigen also falls man von seiner Oberhexe nen wichtigen Spruch gelehrt bekam, hatte man sozusagen auch mehr Versuche! Die „Maximal 2 oder 3 Punkte pro Stufe“ waren die Grenzen des Selbststudiums. Und das ist in DSA4 auch unsagbar teuer (und somit langsam)!
Wie ich grade lese galt das auch für das normale Lehrentalent (und war sogar einfacher als das Weitergeben von Zaubern!)
Also ist dieses Vorurteil „DSA3-Helden wurden vom System her immer sooo langsam besser…“ eigentlich auch nicht ziehfähig, denn grade DSA4 schreibt ja sozusagen vor, dass man zum Talentsteigern einen Lehrmeister aufsuchen muss – selbst wenn man Selbststudium mit einer Speziellen Erfahrung verrechnet steigert man noch immer eine Spalte schwieriger!

Und jetzt? Du spielst seit 3 Jahren DSA und schreibst sogar Abenteuer dafür. Du bist doch glücklich mit dem System!
Ja ich kenne es und ich weiß, wie ich es benutzen kann. Das weiß ich aber auch bei DSA3 und sooo unterschiedlich ist es nun auch wieder nicht. Wenn ich Monster entwerfe kann ich denen auch in DSA3 besondere Fähigkeiten wie den Lebensraub geben und bei Szenarien ist das Regelsystem oft recht unwichtig. Außerdem hat DSA4 so viele kleine und mittlere Designfehler, dass mir die Haare zu Berge stehen und ich mich frage „Warum war das nötig?“.

Dennoch gebe ich zu: ich habe einige Charaktere, die ich besonders gern hab und die mit DSA3 so nicht möglich gewesen wären. Ich glaube meine Lucinda wäre so ein Fall. Grade die Zauber-SpoMods haben es mir angetan, da sie jedem Zauber neue Möglichkeiten geben… aber das wars auch: ihre Möglichkeiten. Die Persönlichkeit meiner Charaktere wird sich nicht großartig ändern…

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